Prisma

Prävention und Intervention bei Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung

Aus Multidisziplin√§rer und Institutions√ľbergreifender Perspektive

30. Juli 2021: Welttag gegen Menschenhandel

Im Onlineportal der Zeitschrift „Forschung & Lehre“ widmen sich Prof.in Dr.in Yvette V√∂lschow, Dr.in Wiebke Jan√üen (Univerist√§t Vechta) und Prof.in Dr.in Silke Birgitta Gahleitner (Alice Salomon Hochschule Berlin) anl√§sslich des Welttages gegen Menschandel den Dimensionen gegenw√§rtiger Formen des Menschenhandels und thematisieren u. a. die Ursachen sowie Pr√§ventions- und Interventionsstrategien.

Den Beitrag k√∂nnen Sie auf dem Internetauftritt „Forschung & Lehre“ lesen oder hier als Download abrufen.

Neuerscheinung: Menschenhandel und Zwangsprostitution. Interdisziplinäre Perspektiven zur Prävention und Intervention

Im Beltz Verlag ist der von Yvette V√∂lschow und Silke Birgitta Gahleitner herausgegebene Band „Menschenhandel und Zwangsprostitution. Interdisziplin√§re Perspektiven zur Pr√§vention und Intervention“ erschienen:

Es sind meist junge Frauen mit ausländischen Wurzeln, die sich in der Zwangsprostitution wiederfinden. Aufgrund von Unwissenheit und massivem Druck haben sie wenig Vertrauen in helfende Institutionen. Oft erschweren Traumatisierungen die Arbeit professioneller AkteurInnen zusätzlich.
Das Grundlagenwerk bietet erstmalig eine umfassende Ph√§nomenbeschreibung und thematisiert neben Risikofaktoren juristische, sozio√∂konomische, psychologische, technische, polizeiliche und p√§dagogische Implikationen. Die AutorInnen formulieren Gelingensbedingungen f√ľr eine professions√ľbergreifende, themensensible Beratungs- und Pr√§ventionsarbeit in diesem Feld.

Eine Leseprobe, die neben dem Inhaltsverzeichnis einen einf√ľhrenden Beitrag der Herausgeberinnen enth√§lt, k√∂nnen Sie hier abrufen.

Weiterf√ľhrende Informationen zum Buch finden Sie auch auf der Internetseite der Verlagsgruppe BELTZ.

PRIMSA Technologie zur Minderjährigkeitsfeststellung von Frauen

Im Rahmen des deutsch.√∂sterreichischen Verbundprojektes PRIMSA wurde eine ultraschall-basierte, mobil einsetzbare Technologie zur Minderj√§hrigkeitsfeststellung von Frauen durch das Fraunhofer IBMT entwickelt. Ziel dessen ist die Verbesserung von Schutzm√∂glichkeiten f√ľr minderj√§hrige weibliche Betroffene von Menschenhandel und Zwangsprostitution. √úber eine nicht-invasive Messung im Handwurzelknochenbereich, der sich bei weiblichen Personen um das 18. Lebensjahr herum st√§rker verkn√∂chert, gilt es einen ersten Anhalt daf√ľr zu erhalten, ob die Person m√∂glicherweise minderj√§hrig ist. Die Vermutung einer Minderj√§hrigkeit w√ľrde neben weiteren gesetzlichen Schutzma√ünahmen die M√∂glichkeit bieten, die Person aus einer potenziellen Zwangslage herauszubringen. Bei m√§nnlichen Personen kann eine entsprechende Feststellung einer m√∂glichen Minderj√§hrigkeit nicht erfolgen, da aufgrund von Unterschieden in K√∂rperwachstum und Pubert√§tsentwicklung die Ver√§nderungen im Handwurzelknochenbereich nicht entsprechend verlaufen.
Insbesondere ist die neue ultraschallbasierte Technologie weder bei weiblichen noch männlichen Personen zur Feststellung einer Volljährigkeit konzipiert oder geeignet. Auch werden bei der Messung keinerlei personenbezogene Daten erfasst oder gespeichert.

Um die zweckgebundene Verwendung ‚Äď ausdr√ľcklich der Schutz von Minderj√§hrigen vor Prostitution ‚Äď sicherzustellen, wurde durch das Projekt eine klare Nutzungsabsicht zu Schutzzwecken formuliert. Dabei werden strengste, datenschutzrechtliche Standards eingehalten, die aus juristischer Perspektive gepr√ľft wurden. Das Ger√§t wurde nicht zum Einsatz anderer (z. B. migrationsrechtlicher) Ma√ünahmen entwickelt und w√§re daf√ľr auch nicht geeignet.

Hilfe und Strafverfolgung bei Zwangsprostitution: Schulung f√ľr Soziale Arbeit, Justiz und Polizei

Bei Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung handelt es sich um ein Verbrechen, bei dem die Opfer hohen k√∂rperlichen und seelischen Belastungen ausgesetzt sind, die zu schweren psychischen Traumatisierungen f√ľhren k√∂nnen. Die Strafverfolgung wird f√ľr die Beh√∂rden zus√§tzlich erschwert, indem die Opfer durch Netzwerke der organisierten Kriminalit√§t Gewalt(-androhungen) erhalten und teilweise mit massiven Einsch√ľchterungen von ihren Aussagen abgehalten werden. Die Bek√§mpfung der Zwangsprostitution kann auf verschiedenen Ebenen verbessert werden. Bei der Strafverfolgung gilt es unter anderem, der Polizei effizientere Instrumente f√ľr den Schutz von Minderj√§hrigen an die Hand zu geben. Gleichzeitig muss die Hilfe und Beratung f√ľr alle Betroffenen fachlich kompetent und sensibel gestaltet sein sowie auf individuelle Bed√ľrfnisse eingehen k√∂nnen.
In dem deutsch-√∂sterreichischen Verbundprojekt Pr√§vention und Intervention zum Zweck sexueller Ausbeutung ‚Äď kurz PRIMSA ‚Äď haben sich in den vergangenen drei Jahren Praktiker/innen und Wissenschaftler/innen aus verschiedenen Fachrichtungen unter Koordination der Universit√§t Vechta mit der Herausforderung der Zwangsprostitution besch√§ftigt. Die Forschungspartner haben sich zum Ziel gesetzt, praxisnahe L√∂sungen zu entwickeln, damit Beh√∂rden, Soziale Arbeit und Justiz gleicherma√üen dabei unterst√ľtzt werden, dem (organisierten) Menschenhandel und hier insbesondere der Zwangsprostitution entgegenzutreten. Gef√∂rdert wird das Projekt in der Richtlinie Zivile Sicherheit ‚Äď Schutz vor organisierter Kriminalit√§t auf deutscher Seite vom Bundesforschungsministerium (BMBF) und auf √∂sterreichischer Seite im Sicherheitsforschungsf√∂rderprogramm KIRAS vom Bundesministerium f√ľr Verkehr, Innovation und Technik. Den Rahmen bildet das deutsche Programm ‚ÄěForschung f√ľr die zivile Sicherheit‚Äú (www.sifo.de).
Um (straf-)rechtliche Wege gegen Zwangsprostitution und bestm√∂gliche Hilfe f√ľr die Betroffenen umfassend zu erforschen, hat der Projektverbund Praktiker und Forschende zusammengef√ľhrt. Aus der Praxis wurden unter anderem rechtliche, soziale und polizeiliche Perspektiven in die Forschung aufgenommen. Zudem haben im Verbund von Beginn an Vertreterinnen und Vertreter verschiedener wissenschaftlicher Fachrichtungen zusammengearbeitet. So wurde das Ph√§nomen der Zwangsprostitution in den Disziplinen Rechtswissenschaften, Soziale Arbeit, Kriminologie, Psychologie und Technologie untersucht. Mit diesem interdisziplin√§ren Vorgehen konnten umfassende und innovative L√∂sungsans√§tze erarbeitet werden.
Zu den Ergebnissen geh√∂ren unter anderem ein aktuelles, berufsgruppen√ľbergreifendes Schulungskonzept f√ľr die psychosoziale Beratung f√ľr Gesundheits-, Ausl√§nder- und Jugend√§mter, Polizei und Justiz. Dar√ľber hinaus haben die Forschungspartner mit dem Einsatz neuer Technologien auch eine weitere Herausforderung gel√∂st: Um die Minderj√§hrigkeit von Betroffenen festzustellen, ben√∂tigte die Polizei bisher einen richterlichen Beschluss f√ľr eine R√∂ntgenaufnahme der Handknochen. In Zukunft kann die Polizei, √§hnlich wie mit dem Atem-Alkoholtester, mit einem nicht-invasiven Ultraschallger√§t vor Ort sofort die Minderj√§hrigkeit von jungen Frauen am Handknochen auch ohne richterlichen Beschluss bestimmen. Wenn sich auf diese Weise ein Anfangsverdacht best√§tigt, k√∂nnen die Jugendlichen direkt aus der Zwangsprostitution befreit werden. Sind die Betroffenen vollj√§hrig, k√∂nnen zus√§tzlich kompakte und praktikable Angebote f√ľr einen Ausstieg gemacht werden.
Auf der Abschlusstagung am 08. September in Hannover kommt der Forschungsverbund zusammen, um einer interessierten (Fach-)√Ėffentlichkeit die Ergebnisse des Projekts vorzustellen und zu diskutieren.
Weitere Informationen zum Programm der öffentlichen Abschlusstagung sowie zur Anmeldung finden Sie im oberen Kasten auf dieser Seite.

Am 23.06.2017 findet ein nationales Treffen der deutschen Verbundpartner*innen in Homburg statt.

Am 04.05.2017 findet ein nationales Treffen der österreichischen Verbundpartner*innen in Wien statt.

Am 07.04.2017 findet ein nationales Treffen der deutschen Verbundpartner*innen in St. Ingbert statt (Termin vom 30.03.2017 verlegt).

Am 03.02.2017 findet ein nationales Treffen der deutschen Verbundpartner*innen in Hannover statt.

Am 07.10.2016 fand ein Treffen aller PRIMSA-Verbundpartner*innen an der Eberhard Karls Universit√§t in T√ľbingen statt.

Am 22.04.2016 fand PRIMSA-Verbundpartner*innentreffen im Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen in Hannover statt.

Older Posts »

Gefördert von